Die Räbe liegt auf dem Küchentisch, daneben ein Löffel, ein Stift und ein paar Ideen für Sonne, Mond und Sterne. Noch sieht sie unscheinbar aus. Doch mit etwas Zeit wird daraus ein warm leuchtendes Räbeliechtli – und ein gemütliches Herbstprojekt, bei dem Kinder viel selbst gestalten können.
Wenn Du mit Deinem Kind ein Räbeliechtli schnitzen möchtest, brauchst Du weder besonderes Basteltalent noch eine aufwendige Vorlage. Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung gelingt es auch beim ersten Versuch.
Warum gehört das Räbeliechtli zum Schweizer Herbst?
Räbeliechtli-Umzüge finden vielerorts im November statt. Der Brauch ist jedoch regional: Nicht jedes Dorf, jeder Kindergarten oder jede Schule hat denselben Termin. Frag deshalb frühzeitig bei der Schule, der Spielgruppe, der Gemeinde oder im Quartier nach.
Die Stadt Zug beschreibt das Räbeliechtli als alemannischen Brauch, der mit dem Einbringen der letzten Feldfrüchte verbunden wird. Kinder gestalten aus Räben kleine Laternen und tragen sie stolz durch die dunklen Strassen. Genau diese Mischung aus Herbst, Licht und gemeinsamem Tun macht den Brauch bis heute so besonders.
Das brauchst Du zum Räbeliechtli schnitzen
- eine möglichst grosse, feste Räbe
- ein Schneidebrett oder eine abwischbare Unterlage
- einen stabilen Esslöffel oder Kugelausstecher
- einen Filzstift für das Motiv
- ein kleines, scharfes Küchenmesser für die erwachsene Person
- je nach Alter ein geeignetes Schnitzwerkzeug für das Kind
- dünnen Draht oder eine feste Schnur für den Henkel
- ein LED-Teelicht oder ein Teelicht mit passender Halterung
- Küchenpapier und eine Schüssel für das Innere der Räbe
Lege alles bereit, bevor Ihr beginnt. Die Räbe ist feucht und kann rutschig werden. Eine ruhige Arbeitsfläche und genügend Platz machen das Schnitzen deutlich angenehmer.
Räbeliechtli schnitzen: Anleitung in 6 Schritten
1. Deckel abschneiden
Schneide oben einen flachen Deckel ab. Diese Aufgabe übernimmt eine erwachsene Person. Der Deckel darf gross genug sein, damit später ein Löffel und das Licht bequem durch die Öffnung passen.
2. Räbe aushöhlen
Nun darf Dein Kind mit einem stabilen Löffel das Innere herauslösen. Lasst rundherum eine Wand stehen, die noch stabil ist, aber Licht durchscheinen lässt. Arbeitet lieber nach und nach: Zu dünne Stellen reissen schnell, zu dicke leuchten kaum.
Kleiner Motivationstrick: Legt das herausgeschabte Material in eine Schüssel und zählt zwischendurch die Löffel. So wird aus der geduldigen Arbeit ein kleines Spiel.
3. Motiv vorzeichnen
Jetzt kommt der kreative Teil. Zeichnet einfache Motive direkt auf die violette Haut: Sterne, Monde, Herzen, Punkte, ein Tiergesicht oder den Anfangsbuchstaben des Kindes. Grosse Formen sind für den ersten Versuch leichter als viele feine Linien.
4. Muster einritzen
Die violette Haut wird entlang der Linien vorsichtig entfernt, ohne die Wand vollständig zu durchstechen. So entstehen helle Flächen, sobald das Licht brennt. Kinder können je nach Alter und Erfahrung kleine, geeignete Werkzeuge benutzen – immer direkt begleitet. Schwierige Schnitte übernimmt die erwachsene Person.
5. Henkel befestigen
Stecht einander gegenüber zwei kleine Löcher knapp unter den oberen Rand. Zieht Draht oder eine feste Schnur hindurch und befestigt beides gut. Prüft vor dem Umzug, ob der Henkel das Gewicht hält und sich die Räbe gerade tragen lässt.
6. Licht einsetzen und testen
Ein LED-Teelicht ist für kleine Kinder und bewegte Umzüge die unkomplizierte Wahl. Falls Ihr eine echte Kerze verwendet, muss sie stabil stehen. Die BFU empfiehlt, brennende Kerzen immer zu beaufsichtigen. Achte besonders darauf, dass Haare, Ärmel, Schnur und Deckel nicht in die Nähe der Flamme geraten. Lösche die Kerze, sobald die Laterne abgestellt oder nicht mehr beaufsichtigt wird.
Welche Aufgaben kann Dein Kind übernehmen?
Das hängt weniger von einer festen Alterszahl als von Ruhe, Geschick und Erfahrung ab. Schon jüngere Kinder können das Motiv auswählen, Linien vorzeichnen und mit einem Löffel aushöhlen. Ältere Kinder können unter direkter Begleitung einzelne Muster einritzen. Alles, was Kraft, ein scharfes Messer oder ein Durchstechen der Räbe erfordert, bleibt bei der erwachsenen Person.
Es muss übrigens nicht perfekt werden. Kleine Unebenheiten, unterschiedlich grosse Sterne und ein etwas schiefer Mond gehören zum selbst gemachten Räbeliechtli. Wichtig ist, dass Dein Kind seine Ideen wiedererkennt.
So bleibt das Räbeliechtli länger frisch
- Schnitzt die Räbe möglichst erst kurz vor dem Umzug.
- Bewahrt sie bis dahin kühl und geschützt auf.
- Setzt das Licht erst unmittelbar vor dem Losgehen ein.
- Testet Henkel und Licht zu Hause, bevor Ihr im Dunkeln startet.
Pack für den Umzug zusätzlich ein Ersatz-LED-Licht und ein kleines Tuch ein. So lässt sich eine feuchte oder verrutschte Laterne schnell richten.
Ein schöner Herbstnachmittag ohne viel Material
Das Räbeliechtli verbindet Basteln, Schweizer Brauchtum und einen Spaziergang im Dunkeln. Macht daraus keinen Wettbewerb. Vielleicht zeichnet Dein Kind zuerst zwei oder drei Motive auf Papier und entscheidet dann, welches auf die Räbe kommt. Während des Aushöhlens passen ein Zvieri und eine kurze Pause gut dazu.
Du suchst noch eine zweite einfache Herbstidee? Dann probiert unsere drei Bastelideen mit Herbstblättern. Für warme Sachen am Abend hilft Dir ausserdem der Secondhand-Check für Kinder-Herbstkleider.
Kurzer Check vor dem Umzug
- Sitzt der Henkel fest?
- Leuchtet das Motiv gut?
- Ist das Licht sicher befestigt?
- Trägt Dein Kind gut sichtbare, wettergerechte Kleidung?
- Kennt Ihr Startpunkt und Regeln des lokalen Umzugs?
Dann kann es losgehen: Licht einsetzen, Jacke schliessen und das selbst geschnitzte Räbeliechtli durch den Herbstabend tragen.
Beitragsbild: Zoshua Colah / Unsplash. Verwendet unter der Unsplash-Lizenz.

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